Wissenschaft versus Spiritualität

Aktualisiert: Mai 16


„Der Mensch ist ein räumlich und zeitlich beschränkter Teil des Ganzen, das wir als „Universum“ bezeichnen. Er erlebt sich selbst, sein Denken und Fühlen, als getrennt vom Rest – eine Art optischer Täuschung seines Bewusstseins.“, Albert Einstein

Ein Versuchstier im wissenschaftlichen Experiment.


Das Problem mit der Wissenschaft


Die Wissenschaft beschreibt die Materie. Das ist sehr gut und notwendig. Das Problem mit den meisten Wissenschaftlern ist nur, dass sie alles, was über die Materie hinausgeht, ausblenden. Wann ist das ein Problem? Wenn ihre Forschungsergebnisse auf das Leben, auf die Menschen, auf die Natur angewendet werden und sie dadurch dem Leben, dem Menschen, der Natur vielleicht schaden. Das kommt daher, dass diejenigen, die sie formuliert haben, nicht die ganze Wahrheit gesehen haben. Ihnen lagen nicht alle Daten vor.


Das wissenschaftliche Verständnis des Menschen ist unvollständig. Es verbreitet ein fehlerhaftes Bild seiner Menschlichkeit und blendet das Wesen des Lebens an sich aus.

Für die Wissenschaft ist der Mensch ein extrem komplexes Gerät aus Biomasse. Ihre Erklärung des Lebens ist (falls sie schon das systemische Denken anwenden), dass es eine spontane Eigenschaft eines sehr komplexen Systems aus chemischen Verbindungen samt ihrer Wechselwirkungen sei. Das System sei so komplex, dass man den Punkt, an dem das Leben in der Materie entsteht, (noch) nicht mit wissenschaftlichen Formeln beschreiben kann. Eine dieser spontanen Eigenschaften der lebenden Materie sei die Reproduzierung ihrer Strukturen, was verbunden mit der Auslese der stärkeren Systeme in ihrer Umgebung zu ihrer allmählichen Vervollkommnung führe.


Mit der wachsenden Komplexität habe sich in diesen Systemen aus Biomasse das Fühlen und Denken entwickelt. Wie, wissen wir zwar nicht, aber auch dies werden wir durch unsere Experimente mit der Materie irgendwann sicher noch herausfinden. Im Menschen seien die kognitiven Fähigkeiten der Materie weiter gestiegen, sodass sie sogar über sich selbst reflektieren könne, Werte entwickle und nach Idealen suche.


Damit hat man zwar etwas mit Worten beschrieben, aber nichts erklärt. Es ist eine Pyramide aus Annahmen. Wie wissenschaftlich ist das? Wenn man versucht, ein natürliches Phänomen auf eine extrem komplexe und komplizierte Weise zu erläutern, aber eine ganz simple Erklärung, die alle Aspekte dieses Phänomens und das Verhalten des gesamten Systems erklärt, grundsätzlich ausklammert, ist das ein sicheres Zeichen dafür, dass man mit seinem Denken in einer Sackgasse steckt.


Die Grenzen der Materie


Die Physiker sind da schon weiter. Wenn sie nicht mehr alles mit der Materie erklären konnten, haben sie eingesehen, dass es Energie gibt, die etwas grundsätzlich anderes, Feineres als Materie ist. Die Elementarteilchen, also die Materie, können aus der Energie entstehen oder sich in ihr auflösen. Die Energie selbst ist allerdings etwas, das man nicht direkt beobachten und messen kann – was wir sehen, ist immer nur ihre Wirkung auf die Materie.


Analog dazu ist die Biomasse lediglich ein mit den fünf Sinnesorganen beobachtbarer Aspekt von diesem Etwas, was Leben ist. Auch die elektrischen und biochemischen Vorgänge im Gehirn geben uns nur einen Hinweis darauf, was im Geiste passiert. Wir versuchen den Menschen durch die Beobachtung seines Schattens zu verstehen!


Die Wissenschaft versucht den Menschen durch die Beobachtung seines Schattens zu verstehen. Die praktische Spiritualität im Gegenteil dazu beobachtet direkt den Geist und das Bewusstsein hinter dem Geist.

Das Leben und das Denken werfen lediglich einen Schatten auf die Materie, den man beobachten kann. Das Reine Bewusstsein wirft seinen Schatten nicht mal dorthin, sondern auf den Geist. Das ist noch eine Stufe weiter und weil die Wissenschaft nicht mal den Geist beobachten und messen kann, wird die Seele für sie immer verborgen bleiben.


Dabei ist die Lösung einfach: alle Mess- und Beobachtungsgeräte in die Ecke stellen und in seinem Inneren die Konzentration auf seinen angeblich nicht beobachtbaren Geist anwenden. Wenn man etwas untersucht, dabei aber einen Teil der geeigneten Instrumente grundsätzlich ausschließt, wird man zwangsläufig nur einen Ausschnitt der Wahrheit über den untersuchten Gegenstand erkennen.


Die Wissenschaft könnte diese „Schatten“, die das Reine Bewusstsein auf den Geist und dann auf die Materie wirft, sogar in einem gewissen Grad sehen, wenn sie ihre Sturheit aufgeben würde. Ein simples EEG-Gerät am Kopf eines Yogis, der die Aktivität seines Geistes kontrollieren kann, wirft die vielen Terabytes, die über die Funktion des Gehirns publiziert wurden, über den Haufen. Ausreichend viele Ärzte haben bereits den lang andauernden Zustand ohne Herzschlag und Atem eines verwirklichten spirituellen Meisters beobachten können. Warum wird über diese Fakten nicht in den wissenschaftlichen Journalen geschrieben? Weil sich der Autor damit bei seinen Fachkollegen diskreditieren würde. Wie wissenschaftlich ist das? Nüchtern betrachtet basiert die Wissenschaft auf Glaubenssätzen und Glauben macht blind.


Die analytische Methode kann nur einfache Teile eines lebenden Systems beschreiben. Um das Ganze zu verstehen, braucht man die Methoden der Synthese.

Außerdem wäre es an der Zeit, über die Vorgehensweise kritisch nachzudenken. Die Wissenschaft bedient sich der analytischen Methode. Diese determiniert bereits das Resultat. Sie führt zu einer Welt, die aus unabhängigen Individuen, aus Teilen und Teilchen besteht. Wenn man die Welt mit der synthetischen Methode untersucht, gelangt man zu einem völlig anderen Bild: Man betrachtet die Welt als eine Einheit und erkennt hinter der vordergründigen Zersplitterung ein Substrat und einen übergreifenden Zusammenhalt. Die Weisen des indischen Subkontinents, die Yogis und die Philosophen, benutzten die Synthese als Methode der Erkenntnis.


Die wissenschaftlichen Erkenntnisse des Vedanta


Die altindische Philosophie des Vedanta definiert das alles durchdringende, alles konstituierende Reine Bewusstsein als eine Einheit aus dem Sein, dem Bewusstsein und der Seligkeit. Die Wahrheit hat demnach drei Aspekte, die erst zusammengenommen zur wirklichen Erkenntnis führen. Unsere westliche Wissenschaft beschäftigt sich ausschließlich mit dem ersten dieser Aspekte. Damit sieht sie nur einen Teil der Wahrheit. Die im Vedanta beschriebene Spiritualität hat alle drei Aspekte zum Gegenstand. Sie ist auch eine Wissenschaft, allerdings eine, die man nicht nur mit, sondern auch ohne die Benutzung seiner Sinnesorgane betreiben muss. Jeder kann es tun, wenn er es wirklich will und ernsthaft versucht.


Der authentische, vedantische Yoga ist eine Wissenschaft. Er benutzt geprüfte Methoden und führt unter gleichen Bedingungen zu denselben Ergebnissen. Die für den Menschen wichtigsten Wahrheiten sind spiritueller Natur und man kann sie nur mit einer spirituellen Wissenschaft entdecken.

Der Streit darüber mit den meisten Wissenschaftlern und Fachleuten erinnert an einen Farbenblinden, der zu einem Maler kommt und behauptet, dass es die Farben nicht gibt. Sein Sehorgan nimmt sie nicht wahr. Außerdem habe er sich ausführlich mit diesem Thema beschäftigt und etliche Experimente durchgeführt, die gut dokumentiert sind. Es gebe zwar geringfügige Unterschiede in der Frequenz der Lichtwellen, aber die Existenz der Farben kann er definitiv ausschließen. Der Maler nickt, spricht noch kurz mit seinem Gast über das Wetter und wenn dieser gegangen ist, wendet er sich wieder dem Malen zu.


Auch wenn sich unsere Wissenschaftler auf die Wissenschaft des Vedanta nicht einlassen und die Experimente der Yogies nicht wiederholen wollen, müssen sie sich die Frage gefallen lassen, inwieweit ihre Ergebnisse dem Menschen dienen. Die Wissenschaften haben uns nicht nur Gutes gebracht: die Zerstörung der Natur, die soziale Ungerechtigkeit, die Instrumentalisierung des Menschen durch die Anwendung der Technologien… Die Wissenschaft soll auch daran gemessen werden, ob ihre Ergebnisse dem Menschen, der Gesellschaft und der Welt, in der wir leben, nutzten oder schaden, und zwar unabhängig von allen Dogmen oder Annahmen. Und falls nicht, muss sie ernsthaft über ihre Ziele und Methoden nachdenken. Es wäre dafür die höchste Zeit.