Wir haben eine Lektion zu lernen

Aktualisiert: Mai 16

Das Glück und die Entwicklung des Menschen hängen zusammen. Die Reise des menschlichen Lebens findet nicht im Raum statt, sondern im Verständnis und in der Weisheit – im Bewusstsein. Das eigentliche Ziel jedes menschlichen Lebens ist damit das Wachsen im Bewusstsein. Der Weg dorthin führt über das Wachsen im Geiste und im Herzen, im Verständnis und Gewissen, in der Fähigkeit zu lieben.



Menschen, die Yoga üben, und damit auch die Demut.

Demut


In den meisten Kulturen außer der westlichen gehört Demut zum Wertekanon. Zu diesem Ideal haben wir im Westen keinen leichten Zugang. Wir verbinden Demut mit Unterwerfung und sehen darin eine Beschränkung unserer individuellen Freiheit. Was Demut in den anderen Kulturen bedeutet, hat etwas mit der Einsicht eigener Unzulänglichkeiten, mit der Bereitschaft etwas Neues zu lernen, mit der Anerkennung der Größe der Schöpfung zu tun. Die so verstandene Demut ist die Voraussetzung der inneren Entwicklung des Einzelnen und des Friedens zwischen den Menschen. Demut und die Überwindung des Egoismus bezeichnen denselben Zustand des Geistes und Herzens.


Indien hat auf Demut eine Kultur aufgebaut, die schon über mehrere Jahrtausende lebt.

Wir haben in unserem Kulturkreis einige Werte, die uns Zugang zur so verstandenen Demut erlauben. Wir müssten die Demut nur schätzen lernen und in den Kanon unserer Grundwerte aufnehmen. Warum? Weil wir ohne sie die Natur zerstören werden. Weil wir ohne Demut das Ziel unserer Existenz, das Wachsen in der Menschlichkeit, nicht erreichen können.


Ein westlicher Wert ist eng mit der Demut verwandt: das Pflichtbewusstsein. Was uns speziell die indische Philosophie ergänzend sagt, ist, dass wir keinen Frieden haben können, wenn wir unser Pflichtbewusstsein nicht auch nach innen wenden. Wenn wir Frieden in der Gesellschaft haben wollen, müssen wir Frieden in uns selbst erreichen. Es gibt keine andere Methode. Der Frieden ist das Ergebnis einer harten Arbeit und sie findet im Geist und im Herzen eines jeden von uns statt.


Das Pflichtbewusstsein hat unter den westlichen Werten einen festen Platz. Es ist sogar ein Pfeiler der christlichen Kultur. Demut ist einfach seine ältere Schwester, die wir in den Schoß der Familie holen müssen.


Yoga – Arbeit an uns selbst


Die indische Philosophie hat eine zweite wichtige Lektion für uns. Unserem christlich geprägten Weltbild liegt, vereinfacht gesprochen, die folgende Grundeinstellung zugrunde: „Wenn ich brav bin, gehe ich in den Himmel; wenn ich mich an die Regeln halte, muss ich an mir nicht viel arbeiten – Gott hat für mich die Arbeit bereits getan.


Die Essenz des Yogas ist eine ernsthafte Arbeit des Menschen an seiner Entwicklung.

Yoga sagt uns aber: „Höre auf, dich zu belügen. Du bist abhängig vom Verlangen deiner Sinnesorgane und von den Begehrlichkeiten deines Geistes – sie halten dich gefangen. Wenn du frei sein willst, löse dich davon. Das bedeutet viel Arbeit und du musst sie tun. Wenn du alles gegeben hast, wirklich alles, macht Gott den Rest für dich.“