Das digitale Verbrechen

Aktualisiert: 2. Juli


Zufällig mitgehört am letzten Montagfrüh vor einer Grundschule in Hessen – ein Drittklässler berichtete ganz aufgeregt seinem Klassenkameraden über ein Video, das er am Wochenende im Internet gefunden hat: „Das muss du unbedingt sehen! Zum Schluss fressen sie das Mädchen!“.


Schulkinder auf dem Schulhof


Der traurige Alltag der deutschen Grundschulen


Es ist so traurig, was wir unseren Kindern antun. 60 % der Erstklässler verbringen mehr Zeit im Internet und mit Computerspielen als im Gespräch und in Interaktion mit ihren Eltern. Je älter die Schüler, umso größer der Prozentsatz. Unsere Kinder werden von Shooter-Spielen erzogen und TikTok und YouTube erklären ihnen die Welt. Wenn sie während der Schulpause miteinander Zeit verbringen müssen, gibt es vor allem Kampf, Schubsen und sprachliche Gewalt. Als in derselben Grundschule ein Kind aus der Ukraine seinen Klassenkollegen (mithilfe einer Lehrerin, die es ein bisschen verstehen konnte) Versteckspiel vorgeschlagen hatte, haben sie es mit großen Augen angeschaut, als ob es von einem anderen Planeten gekommen wäre. Es waren Erstklässler.


Wenn Kinder, die zu liebevollen, guten und ausgewogenen Menschen aufwachsen könnten, systematisch an Verhaltensweisen, Werte und Lebensentwürfe herangeführt werden, die sie zum Gegenteil erziehen, nenne ich das ein Verbrechen.

Viele Lehrer haben bereits aufgegeben und versuchen nur, bis zum nächsten Wochenende durchzuhalten. Wenn sie können, reduzieren sie ihre Wochenstunden, melden sich krank oder schauen weg. Digitalisierung, Medien sind ja das erklärte Ziel der deutschen Bildung – es läuft also alles prima in den deutschen Schulen.



Wie muss die Schule werden?


Was müsste man ändern? Das Allerwichtigste wäre die Halbierung der Klassenstärke in allen Grund- und weiterführenden Schulen. Dann kommt ein drastisch abgespecktes Curriculum, um Zeit für die soziale Erziehung und für die tiefgründige, ernstgemeinte individuelle Entwicklung der jüngsten und der jungen Menschen zu schaffen. Anstelle verbeamteter Fachlehrer müsste man aufgeschlossene, kreative Pädagogen ausbilden. Alle Schulen sollten für alle Schüler ganztägig werden und nachmittags anspruchsvolle, interessante und erfüllende Beschäftigungen und Projekte anbieten.


Wie wahrscheinlich, schätzen Sie, ist dieses Szenario? Genau. Deswegen müssen wir feststellen, dass wir als Gesellschaft diesen Kampf bereits verloren haben. Wir haben ihn nicht mal geführt. Es ist alles in Ordnung in den deutschen Schulen. Wir digitalisieren – das ist die Hauptsache.


Und was genau haben wir verloren? Als Erwachsene: die Welt, in der wir gerne und in Frieden gelebt haben. Und als Jugendliche: eine Zukunft, die verheißend und erfüllend war. Was haben wir im Gegenzug bekommen? Zerstreuung, Unruhe, ununterbrochene Indoktrination durch Geldmacher. Und als Heranwachsende einen Lebensentwurf, der auf Kommerz und Unterhaltung basiert. Wahrlich ein gutes Geschäft.


Wir haben uns an die digitale Medienindustrie verkauft und nun verkaufen wir auch unsere Kinder.

Die Lehrer tun, was sie können. Ich zeige ganz sicher nicht mit dem Finger auf sie. Sie haben sich an das System angepasst – eine vernünftige Haltung. Es ist die Gesellschaft, die krank geworden ist. Diese Krankheit wird einfach in den Schulen zuerst sichtbar, weil sie bei den kleinen, zarten, schutzlosen Kindern als Erstes ein pathologisches Ausmaß annimmt.


Was tun?


Der Realist in mir sagt: That’s it. Der Zug ist abgefahren. Ich will mich aber mit dieser kaputten Welt nicht abfinden. Sie ist ja nicht von Natur aus kaputt – wir machen sie so. Die Entwicklung, die unsere Gesellschaft und Zivilisation angenommen haben, ist falsch und sie wird unsere Kultur und unsere Welt zerstören. Und falls Sie die Lage ähnlich wahrnehmen, müssen wir doch gemeinsam etwas dagegen tun!


Es wird viel einfacher, das Erdklima zu retten, als die Kontrolle der Medien über unser Leben zu beenden. Wir übersehen gerade den wichtigsten Feldzug, der in der modernen Gesellschaft stattfindet – den Kampf um die Köpfe und Herzen der Menschen.

Sie können zum Beispiel über diese verheerende Entwicklung sprechen und schreiben, egal wie unpopulär das ist. Haben Sie schon darüber nachgedacht, auf die Straße zu gehen? Sprechen und schreiben Sie die Bildungspolitiker an. Wenn Sie Kinder im Schulalter haben, tun Sie sich zusammen und reden mit der Schulleitung und vor allem mit dem Elternbeirat. Ändern Sie nachhaltig Ihr Mediennutzungsverhalten, gehen Sie mehr in die Natur und kommen Sie mehr mit anderen Menschen zusammen. Und nehmen Sie unbedingt Ihre Kinder mit!


Es ist nicht viel? Es ist eine ganze Menge! Auf diese Weise passieren Veränderungen.


Der Feldzug der Internetmedien


Ich merke gerade, dass ich gar nicht erklärt habe, warum ich das Vorgehen der Internetmedien für einen Feldzug, einen Kampf um die Köpfe und Herzen, um die Gewohnheiten und Vorlieben der Menschen halte. Da ich noch ohne die allgegenwärtige Manipulation durch die Medien aufgewachsen bin, denke ich wohl, dass dies für alle offensichtlich sein müsste. Aber die jungen Menschen, die im Internet aufgewachsen sind, verstehen vielleicht gar nicht, worüber ich spreche. Deswegen reiche ich eine kurze Erläuterung nach.


Firmen wie Meta Platforms, YouTube, Google, Microsoft, Apple (und unzählige kleinere) verdienen unvorstellbare Summen mit der Werbung auf Plätzen im Internet, auf denen wir uns aufhalten. Je mehr Menschen mehr Zeit auf den Webseiten dieser Internetgiganten verbringen, umso mehr Umsatz machen diese mit dem Rest der Wirtschaft, der uns seine Produkte verkaufen will. Deswegen sind sie unermüdlich damit beschäftigt, die Aufmerksamkeit so vieler Menschen wie nur möglich zu gewinnen und sie an sich zu gewöhnen.


Der Motor ihrer Geschäftsmodelle ist die Zeit, die Sie und Ihre Kinder scheinbar kostenlos kommunizieren, sich informieren oder sich unterhalten lassen. Deswegen entwickeln sie ununterbrochen neue Strategien und Kniffe, um Sie und Ihre Kinder auf ihre Plattformen zu ziehen. Es ist ein Konkurrenzkampf um Ihre Köpfe und Herzen und um die Köpfe und Herzen Ihrer Kinder. Weil in diesem Kampf der Sieger takes it all, ist dieser Attraktivitätswettbewerb dafür designt, um um jeden Preis die Aufmerksamkeit der Menschen auf die eigene Plattform zu lenken.


Und welche Inhalte werden dafür benutzt? Das ist zuerst egal. Hauptsache, sie dienen diesem Zweck – also alles, was auffällt, was Aufsehen erregt, nackte Haut und alles, was die Sinne anspricht, alles, was Begierden auslöst und Emotionen aktiviert... In der von den Internetmedien designten Welt dient unterschwellig alles dem Kommerz.


Je mehr Sie und Ihre Kinder sich in dieser Welt aufhalten, umso stärker werden Sie und Ihre Kinder (die zukünftigen Konsumenten) von dieser Welt abhängig. Das ist das Ziel, das ist das Geschäftsmodell. Dafür wird Ihnen alles Mögliche umsonst gegeben und ständig weiterentwickelt und ausgeweitet, damit die Abhängigkeit aufrechterhalten und verstärkt wird.


Wir steuern auf eine Welt zu, in der Menschen konditioniert sind, ihre Zeit im Internet zu verbringen, dort ihre Wünsche entwickeln und befriedigen und von dort von einigen wenigen Anbietern versorgt und unterhalten werden. Mich erinnert das eher an eine Schafherde als an Wesen, die mit grenzenlosem Geist und Herz ausgestattet, die nach dem Ebenbild Gottes geschaffen sind.

Die Erwachsenen können sich einzureden versuchen, dass sie das durchschauen und dagegen immun sind. Die Kinder sind aber in diesem Kampf ganz und gar chancenlos. Sie können noch nicht relativieren, kritisch denken oder es als unecht betrachten. In den Medien wird ihnen eine Welt gezeigt, die sie für real und anstrebenswert halten. Sie wachsen in dieser Welt auf! Es ist eine von Geld gestaltete Welt, die dem Geld dient. Die Einwohner dieser Welt sind Konsumenten, die gebraucht werden, um die Reichen noch reicher zu machen.


In dieser Medienwelt geht es nicht um Menschen. Wenn Sie morgen verbindlich und unwiderruflich all Ihr Geld einer App übertragen würden, die alle Kaufentscheidungen für Sie treffen würde, würden sich die großen dieser Branche um die Aufmerksamkeit dieser App bemühen. Falls Sie nicht so weit gehen werden, werden die Medienunternehmen versuchen, Sie so lang wie nur möglich in einer virtuellen Realität beschäftigt zu halten, sodass sie währenddessen ungestört Geschäfte mit Ihren Apps machen können. Das ist die Welt, in der Ihre Kinder leben werden. Es sei denn, Sie tun jetzt etwas dagegen.




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