• Alan P. Stern

Eine neue Aufklärung


Alles fängt mit unserem Denken an. Die Misere, in der wir stecken, haben wir uns selbst erdacht. Wie das?

Wenn wir denken, dass wir immer mehr Gegenstände brauchen, bedingen wir die ausufernde Produktion von Gegenständen. Wenn wir glauben, dass die Befriedigung der Impulse unserer Sinne uns glücklich macht, erzeugen wir eine Lebensumgebung, die uns ständig auf die Sinnesbefriedigung lenkt. Wenn wir von unserem Leben erwarten, dass es uns unterhält und uns von schwierigen existenziellen Fragen fernhält, erschaffen wir eine Welt, in der wir nie alleine, in Stille sind und in der wir ununterbrochen kommunizieren.




Eine nachhaltige Zivilisation


Das bedeutet, dass wir unsere Zivilisation nur umbauen, sie nachhaltig gestalten und damit retten können, wenn wir unser Denken verändern. Wenn wir unsere Vorstellungen über das Glücklichsein und über den Zweck unserer Anstrengung in dieser Welt revidieren, wird sich unsere Welt anpassen. Es gibt keinen anderen Weg.


Den ersten Schritt zu einer nachhaltigen Welt müssen wir in unseren Köpfen machen.

Nun gibt es zwei Einflussfaktoren, die unsere Überzeugungen und Gewohnheiten bestimmen. Der erste ist das, was wir in unserem Geist erzeugen. Der zweite ist das, was uns unser Umfeld nahelegt. Unser Denken können wir ändern, auch wenn es Arbeit bedeutet: durch das aktive Beobachten der Prozesse, die in unserem Geist ablaufen, durch die Analyse des eigenen Handelns, durch mentale Hygiene. Die Einflüsse aus unserem Umfeld gehen immer über die Tore der Sinne und die Fenster, die wir ihnen in unserem Geist öffnen, hinein. Letztendlich also können wir über beides bestimmen.


Das bedeutet aber auch, dass wir die Verantwortung für die Neugestaltung unserer Welt nicht auf andere, auf den Staat, auf die Umweltorganisationen oder auf die Unternehmen, in denen wir arbeiten, schieben können. Wir, jede und jeder von uns, entscheiden, ob unsere Zivilisation und Kultur überleben und ob unser kleiner Planet zerstört wird oder wieder aufblüht. Das ist keine Metapher, keine rhetorische Redewendung – das ist eine nackte Tatsache.


Gewiss müssen letztendlich der Staat, die Organisationen, die Unternehmen die Regeln schaffen, die eine konstruktive Dynamik erzeugen und unser Umfeld positiv beeinflussen. Aber das sind auch wir. Die Wahrheit ist, dass die einzige Rettung für unsere Zivilisation, für die westliche Kultur, für unsere Lebensart ist, wenn möglichst viele von uns mehr Verantwortung für ihr Denken übernehmen und dann auch konsequent aus diesem Denken heraus handeln.


Die Aufklärung des 21. Jahrhunderts


Wir brauchen eine neue Aufklärung. So wie die Aufklärung des 18. Jahrhunderts unser Denken von den Fesseln der Kirche und des spekulativen Denkens befreite, wird die Aufklärung des 21. Jahrhunderts uns von den Fesseln des Spekulationskapitals und des materialistischen Nutzdenkens befreien.


Die zynischen Demagogen, die ein Land nach dem anderen erobern, können nur deswegen so erfolgreich sein, weil sich unsere Kultur auf dem Rückzug befindet. Wir haben unsere humanistischen Ideale durch Geld ersetzt und geben unsere innere Welt immer weiter für die Wirtschaft und die Unterhaltungsindustrie frei und vergeuden unsere Zeit und Energie mit Belanglosigkeiten.


Wir haben unsere innere Welt verkauft: unsere Zeit und Aufmerksamkeit, unsere Werte und Ideale, unsere Seelen. Die Aufklärung des 21. Jahrhunderts wird sich deswegen dem Inneren des Menschen wenden.

Wir müssen außerdem einsehen, dass die Natur niemandem gehört, auch der menschlichen Gattung nicht. Jedes Leben hat ein grundsätzliches Existenzrecht. Die Eingriffe des Menschen in seine Umwelt müssen auf das absolut Notwendige begrenzt werden. Sie sind nur dann gerechtfertigt, wenn sie seinen notwendigen Bedarf befriedigen, und auch dann müssen sie behutsam vorgenommen werden. Aus dieser Einstellung werden die Genügsamkeit als Grundeinstellung der Menschen und die Harmonie mit der Natur resultieren.


Der Mensch ist wiederum eine harmonische Einheit aus Körper, Geist und Seele. Seine Bemühungen während seines Lebens konzentrieren sich heute auf den materiellen Bereich. Bei dem aufgeklärten Menschen der Zukunft werden sie in alle drei Bereiche gleichermaßen gelenkt – sie werden ausgewogen. Aus seiner neuen Einstellung zu seinem Selbst und der Welt werden Selbstverantwortung und Verantwortung erwachsen. Auf diesen Werten kann eine gerechte und friedliche Gesellschaft aufgebaut werden.


Eine solche neue Aufklärung schafft eine stabile Grundlage für eine nachhaltige Zivilisation, die das Wachsen der Menschen und glückliches Leben unterstützt.


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