Wie verändert man die Welt?

Aktualisiert: 6. Okt.


In dem interessanten Online-Gespräch der Autoren des Buches „Weltbild für den Blauen Planeten, auf der Suche nach einem neuen Verständnis unserer Welt“ (hier der Link zur Aufzeichnung) wurde die Frage diskutiert: Soll man versuchen, die Makroebene zu verändern (das Wirtschaftssystem, die Prioritäten des Staates), oder sich eher dem Konkreten, das man unmittelbar beeinflussen kann, widmen? Frau Prof. Gronemeyer bezeichnete die zweite dieser Strategien mit „Das tun, was in der Reichweite unserer Arme ist“.



Zu einem neuen Weltverständnis


Das ist eine wichtige Frage. Wie verändert man die Welt? Wie kann man ein System, das uns nicht mehr dient, ändern? Durch direktes Handeln in unserem eigenen Umfeld, auf der Mesoebene, zum Beispiel in Unternehmen, oder doch durch politischen Einfluss auf die Regeln des Systems selbst?


Small is beautiful und wirksam


Es ist eine grundlegende Erkenntnis und eine aus langer Lebenserfahrung resultierende Weisheit, dass die einzige wirkliche Veränderung in der Welt persönlich und handfest ist. Wenn ich meine Vorstellungen, Ziele, meinen Charakter, mein Handeln verändere, verändern sich mein Verhalten und meine Entscheidungen, was die anderen (Menschen und Systeme), mit denen ich interagiere, beeinflusst. Diese beiden Veränderungen sind die einzigen, auf die ich wirklich Einfluss habe: Ich kann mich selbst ändern, und ich kann mein Verhalten ändern.


Wenn du dich änderst, ist das eine große Änderung für die Welt.

Paramahamsa Prajnanananda


Wenn viele Menschen anders denken und anders handeln, wird auch die Welt anders. Eine Dynamik entsteht, und das System findet auf natürliche Weise Wege, sich an dieses veränderte Verhalten anzupassen. Seine Regeln müssen zwar immer noch von konkreten Menschen oder Institutionen modifiziert werden, aber diese Modifizierung erfährt dann wenig Gegenwehr, verläuft sanft und wird selbstverständlich.


Gestaltung findet in Gemeinden statt


Wir leben in Communities. Manche sind klein (Familie), andere größer (Nachbarschaft, ein kleines Unternehmen oder ein Team in einem Konzern), wieder andere riesig (eine Partei, eine Institution). Je größer die Gemeinde, umso kleiner unser direkter Einfluss auf sie. Aber auch große soziale Systeme können von Einzelnen, die andere zu einer Veränderung inspirieren, verändert werden. Es gibt dafür genügend Beispiele. Und wenn sich große Unternehmen oder Parteien verändern, kann das sehr wohl zu grundsätzlicher Veränderung auf der Makroebene, der Ebene der Gesellschaft führen.


Was uns Menschen am deutlichsten von den Tieren unterscheidet, ist, dass wir uns ändern können – wenn wir es wollen.

Es ist allerdings wichtig zu verstehen, dass auch die systemischen Veränderungen von Individuen erwirkt werden: von denjenigen, die inspirieren, und von denjenigen, die sich inspirieren lassen. Zuerst gibt es immer eine Veränderung im Denken der Einzelnen, aus der eine Veränderung ihres Handelns resultiert, was wiederum zu einer Modifikation des Systems führt.


Soziale Systeme können gestaltet werden


Veränderungen in kleineren sozialen Systemen zwingen auch große Systeme, die diese kleineren enthalten, zur Anpassung. Wenn die Communities (oder Gemeinden, wie ich sie gerne nenne) sich auf einmal andere Ziele stellen und anders innerhalb ihres größeren Systems handeln, kann dieses größere System einen der zwei Wege nehmen: Entweder beharrt es auf seiner eingefahrenen Spur, also auf den bisherigen Regeln, und widersetzt sich der Veränderung, oder es passt sich an. Im ersten Fall wird das alte System irgendwann kollabieren und so Raum für die Veränderung machen. Im zweiten kann es sich tatsächlich wandeln (die Natur ist für uns dafür das beste Vorbild).


Es gibt aber theoretisch auch eine andere Möglichkeit, soziale Systeme (auch die ganz großen) gezielt zu verändern. Die Methode dafür nennt man Systemdesign. Man legt die Ziele und Regeln des schlecht funktionierenden Systems offen und verändert sie anschließend so, dass sie ab diesem Zeitpunkt die gewünschten Ergebnisse liefern. (Für die Details verweise ich auf das Buch „Redesigning Civilization, wie erschaffen wir die westliche Zivilisation neu?“ von Alan P. Stern.)


Dies war allerdings nicht die Art und Weise, wie sich unsere menschliche Welt bisher verändert hat. Aber vielleicht ist es an der Zeit, die traurige Abfolge von Katastrophen, Rückschlägen und Leid, die zu etwas Neuem führen, das sich nach einiger Zeit aber wieder in Katastrophen, Rückschläge und Leid verwandelt, zu beenden!


Allerdings erfolgt eine geplante Veränderung in großen sozialen Systemen (Wirtschaft, Staat, das Bildungssystem usw.) nicht durch Nachdenken und Diskutieren. Sie muss von mutigen und beharrlichen Frauen und Männern initiiert und erwirkt werden. Hier führt derselbe Mechanismus zum Ziel: Kleinere Gemeinden (die ja vom Handeln Einzelner abhängen) müssen andere Communities zum Umdenken und zum veränderten Handeln inspirieren. Und diese anderen Communities müssen sich zu der Veränderung inspirieren lassen. Und weil nur Menschen inspirieren können und inspiriert werden, hängt auch eine Makroveränderung letztendlich irgendwie von jedem Einzelnen von uns ab.


Einzelne können andere inspirieren und sich von anderen inspirieren lassen. Das ist ein simpler, aber wirksamer Mechanismus, mit dem man auch großen sozialen Systemen einen Anstoß zur Veränderung geben kann.

Klein ist wirksam und groß ist mächtig


Die beiden Positionen (die Mikro- und die Makrosicht) stehen deswegen für mich nicht im Widerspruch zueinander. Der Einzelne kann nur das tun, was er tun kann, aber wenn er es konsequent und beharrlich tut und andere ihm gleichtun, kann er am Ende doch die Welt verändern. Diese Makroveränderung bedarf allerdings eines koordinierten Handelns und der Organisation auf der Ebene von (kleinen und großen) Gemeinden. Dieses Handeln und diese Organisation können im Optimalfall durch kluges Planen und Gestalten begleitet werden.


Das Wetter, die Krankheit (und oft auch die Heilung) passieren einfach – das ist wahr, aber eine bessere Welt wird uns nicht einfach passieren. Dafür müssen wir schon etwas tun!


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