Unser Weltbild und die Folgen


Das westliche Denken, seine Annahmen und Glaubenssätze, macht es uns nicht einfach, über eine grundsätzliche Veränderung unserer Kultur und Lebensweise nachzudenken. Wir brauchen aber diese Veränderung: die Natur braucht sie, unsere Kinder brauchen sie. Unsere Welt ist nämlich das Resultat unseres Weltbildes.


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Robinson Crusoe


Ein Archetyp des westlichen Menschen ist Robinson Crusoe. Crusoe wollte sich mit dem, was ihm vom Leben gegeben wurde, nicht zufriedengeben. Er wollte jemand anders werden und mehr an Reichtum und gesellschaftlicher Anerkennung erreichen. Besonders sein Inselaufenthalt führte die typischen westlichen Werte und Ambitionen vor. Nach seiner Strandung versuchte er, die westliche Zivilisation nachzubilden. Sein Mittel war die Naturbeherrschung.


Er ging systematisch und rational vor. Er zeigte dabei Ideenreichtum und Erfindungsgeist, war tatenreich und fleißig. Sein Ziel war, seine Lebensbedingungen zu verbessern. Trotzdem waren ihm die moralischen Werte wichtig, und zwar als Vorbereitung auf die Gesellschaft, die er voraussah. Das waren vor allem Selbstdisziplin, Sorgfalt und Pflichtbewusstsein. Dies sind heute immer noch wichtige Werte der westlichen Moral, bis auf die Selbstdisziplin, die Sigmund Freud und den antiautoritären Bewegungen des letzten Jahrhunderts zum Opfer gefallen ist.


Wir identifizieren uns über Äußerlichkeiten: unseren Besitz, unsere Position in der Gesellschaft.

Crusoe verkörpert außerdem die Suche des westlichen Menschen nach seiner Identität, die er im Gegensatz zur Natur in den Leistungen des menschlichen Geistes und in seiner Arbeit für sich selbst und für die Gesellschaft sieht.


Woran wir glauben?


Wir betrachten das als wahr, was wissenschaftlich oder statistisch bestätigt ist. Weil die Wissenschaft das Bewusstsein nicht untersuchen kann, ist uns alles, was über die Materie hinausgeht, suspekt. Die Welt im Inneren des Menschen wird als subjektiv betrachtet und ist damit kein Teil der objektiven Wahrheit. (Dass die Wissenschaftler mit dem subjektiven, nicht zur Wahrheit gehörenden Instrument des Geistes ihre Wissenschaft betreiben, scheint sie nicht zu stören.) Diese Einstellung macht die Auseinandersetzung mit unserer inneren Welt schwierig.


Wir glauben an das, was sich messen lässt. Dieser Glaube ist das Resultat der Auswüchse des Mittelalters, in dem das Denken ad absurdum geführt wurde. Als Reaktion darauf haben wir uns an den Materialismus so stark geklammert, dass wir alle mit Misstrauen beäugen, die ihn infrage stellen. Wir verbinden mittlerweile auch Rationalität untrennbar mit dem Materialismus, was das logische Nachdenken über die Religion und Spiritualität ungemein erschwert.


Wir glauben an die Macht der Vernunft. Wir denken, dass es für jedes Problem eine Lösung gibt. Wir glauben an den Fortschritt und damit an eine bessere Zukunft. Dieser Glaube ist ein Kind der industriellen und technologischen Revolution der letzten 250 Jahre. Wenn wir überlegen, dass diese Zeitspanne nur drei Menschenleben entspricht, und dabei vergleichen, wie wir heute leben und wie wir Mitte des 18. Jahrhunderts gelebt haben, wird uns klar, welche Dynamik da im Gange ist.


Wir benehmen uns wie Kinder in einem Süßigkeitenladen.

Diese Dynamik revolutionierte nicht nur unser Denken, sondern auch unseren Glauben. Wir fühlen uns wie Kinder, die man alleine in einem Süßigkeitenladen gelassen hat. Wir sind berauscht von unserem Erfolg. Auch wenn man uns sagt, dass es so nicht weitergehen kann, dass einige Ressourcen zur Neige gehen, dass die Ausweitung unseres Lebensstandards auf alle Länder die Natur zerstören muss, und auch wenn wir dabei nicken und denken, es verstanden zu haben, glauben wir in der Tiefe unserer Herzen immer noch, dass es irgendwie weitergehen wird. Wir können gar nicht anders denken, als dass das Morgen mehr, schneller und besser bedeutet.


Unser Weltbild


Wir betrachten die Welt nicht wie aus einem Guss. Es ist eine folgenreiche Überzeugung. Wir denken in Gegensätzen und haben die Schöpfung vielfältig gespalten. Es gibt den Körper und die Seele, es gibt die objektive Wahrheit und die subjektiven Vorstellungen, es gibt die Natur und den Menschen. Für die Erklärung dieser abgespaltenen Bereiche, und zwar die, die wir als wichtig oder als real betrachten, sind die Einzelwissenschaften verantwortlich. Unser Weltbild ist eine Summe der Aussagen dieser Einzelwissenschaften.


Im Ergebnis ist unser Verständnis der Welt materialistisch. Auch das Leben betrachten wir als eine besonders raffinierte Form der Materie: Durch die fortschreitende Komplexität der Lebensformen ist letztendlich auch das Denken und Fühlen, also das, was wir menschlichen Geist nennen, entstanden.


In einer materialistischen Welt muss das Glück in Gegenständen liegen.

Unsere Aufmerksamkeit gilt zu einem entscheidenden Teil der Welt da draußen. Dort liegen die Objekte unserer Begierde, dort suchen wir auch nach Antworten auf die Fragen, die in unserer inneren Welt entstehen.


Es muss uns allerdings klar sein, dass jede und jeder von uns in Wirklichkeit nicht in dieser materiellen, sondern in der Welt lebt, die wir uns in unserem Geiste geschaffen haben. Unsere geistige Welt ist gefüllt nicht nur mit unseren eigenen Gedanken, Erinnerungen, Hoffnungen, Befürchtungen, Annahmen oder Sehnsüchten. Zu ihrer reichen Fauna und Flora gehören auch Gedanken derer, mit denen wir im Austausch stehen, sowie Vorstellungen und Normen der Kultur, in die wir hineingeboren wurden und die wir kaum bewusst wahrnehmen.


Das alles zusammen und in Interaktion miteinander erzeugt in unseren Köpfen feste Denkmodelle, die wir vergleichbar zu Schablonen auf alles, was uns aus der Außenwelt erreicht, und alles, was in uns selbst entsteht, anwenden. Aus dieser inneren Welt handeln und verstehen wir. Dort sind auch unsere Ziele und Wünsche beheimatet. Da unser Interesse der Welt da draußen gilt und wir deswegen selten gezielte Selbsterforschung betreiben, sind wir uns der Subjektivität dieser Welt nicht bewusst und nehmen unsere innere Welt für die objektive Realität. Die Realität, wie sie wirklich ist, und das, was wir für sie erachten, haben jedoch nur selten und nur wenig miteinander zu tun.


Unsere heutigen Wünsche formen die Welt von morgen.

Jede und jeder von uns ist das Ergebnis eigener Wünsche. In der Summe erschaffen unsere weitgehend geteilten inneren Einstellungen die Welt, in der wir leben. Das ist ein Hoffnungsschimmer: Auf unser Denken und Wollen haben wir nämlich potenziell Einfluss.


Was also sollen wir uns wünschen? Von der Antwort auf diese Frage hängt die Zukunft unserer Zivilisation ab!


Was wünschen Sie sich?



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