Ich will mein Leben zurück

Aktualisiert: 6. Okt.


Eine Bekannte sagte kürzlich: Ich will, dass das aufhört. Ich will wieder mein Leben zurück! Sie drückte damit die Stimmung sehr vieler Menschen aus, die auf ihr Leben vor dem Überfall der Ukraine und vor Corona blicken und möchten, dass es ihnen zurückgegeben wird. Vielleicht denken auch Sie so?


Nun, ich habe schlechte Nachrichten: Sie kriegen Ihr altes Leben nicht mehr zurück.


Zwei ältere Frauen im Restaurant


Warum all diese Krisen?


Wir alle neigen dazu, linear zu denken. Wir kaufen einen Pauschalurlaub, steigen ins Flugzeug ein, erwarten Sonne, viel zu essen, vielleicht etwas Party und dass wir 14 Tage später an demselben Flughafen in unser Auto steigen. So ist ja unsere Welt eingerichtet. Wir fangen ein Studium an, bekommen ein Diplom und dann einen Job, werden gut bezahlt und wichtig, kaufen, haben, genießen und sterben irgendwann. Wenn etwas dazwischenkommt - schlechtes Wetter, ein Aufstand der unterbezahlten Leute, die uns bedienen sollen, eine Epidemie, ein Krieg - dann sind das Störungen, und wenn sie beseitigt werden, können wir unseren geplanten Urlaub oder unser Leben fortsetzen.


Diese Linearität existiert allerdings nur in unseren Köpfen. Die Wirklichkeit ist nicht linear!


Die Wirklichkeit ist nicht linear. Wir versuchen ihr unser lineares Denken aufzuzwingen. Das führt zum Konflikt, den nur die Wirklichkeit gewinnen kann.

Gott sei Dank, entspricht nicht alles unseren Wünschen


Gott sei Dank ist die Welt nicht linear! Stellen Sie sich vor, alles würde Ihren Wünschen folgen. Sie würden dann weiterhin in Urlaub fliegen, neue Kleider kaufen, ein Heimkino einrichten, schön essen gehen, bis Sie irgendwann sterben. Die übrigen 7 Milliarden Menschen, die auch so denken wie Sie, würden das Gleiche tun – logisch. Der von ihnen verbrauchte Sprit würde bald große Teile der Welt unbewohnbar machen, das von ihnen gegessene Fleisch würde die letzten Flecken Natur, den Boden und das Grundwasser endgültig zerstören und die für Ihr Heimkino präparierte Unterhaltung würde ein für alle Mal dafür sorgen, dass alle genauso über ihr Leben denken wie Sie. Komplexen Systemen aufgezwungene Linearitäten führen zu Degeneration und Zerstörung.


Wir haben die unbegreifliche Komplexität der Natur unserem primitiven, linearen Handeln ausgesetzt. Wir haben die unergründliche Tiefe des menschlichen Bewusstseins zu primitiven, materiellen Wünschen reduziert.


Die Krisen des Systems Natur und des Systems Menschheit sind das Ergebnis unseres Handelns. Unser Handeln folgt unseren Wünschen. Unsere Wünsche sind das Ergebnis eines Welt- und Menschenbildes, das wir zwar in gutem Glauben entwickelt hatten, das uns aber linear und oberflächlich gemacht hat. Mit diesem Verständnis der Welt, des Menschen, des Lebensziels zerstören wir die Natur und uns selbst.


Wir haben eine Welt geschaffen, die zu einem Monster aufgewachsen ist, das uns fressen wird. Danach kann die Natur ihre komplexe Harmonie wiederherstellen.


Und doch haben wir die Wahl


Die Natur hat Mechanismen und Gesetze, die dieser Zerstörung entgegenwirken werden. Und auch der Mensch wird sich nicht in alle Ewigkeit auf seine materielle und sinnliche Dimension reduzieren lassen. Wir haben in den großen Systemen unserer Welt (dem natürlichen und dem sozialen) Dynamiken in Gang gesetzt, die gegen das Leben, das wir uns zurückwünschen, arbeiten werden. Die wirklichen Krisen – die kommen noch.


Es steht uns allerdings frei, andere Dynamiken in Gang zu setzen. Die Menschen haben schon mal im Gleichgewicht mit der Natur gelebt. Sie haben sich schon mal als ein Teil eines größeren Ganzen betrachtet. Sie sahen schon mal ihre Menschlichkeit, ihr spirituelles Wachsen, ihre innere Schönheit und (auf materieller Ebene) das Gemeinwohl als Lebensziel. Das Monster unserer modernen Zivilisation ist nicht zwingend.


Das alte Leben zurückzubekommen würde unweigerlich zu seiner kompletten Zerstörung führen. Das dürfen wir uns nicht wünschen!

Zu welcher Welt und Gesellschaft diese Krisen führen werden, hängt davon ab, wie wir uns verhalten, ob wir humaner oder animalischer werden, ob wir systemisch uneigennützig oder linear egoistisch denken, ob wir klüger oder sturer werden.


The choice is ours.



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