Ahimsa und Genügsamkeit


Ahimsa und Genügsamkeit sind Teile eines global neu entstehenden moralischen Kodex, den wir für eine bessere Welt brauchen.


Buddha Figur als Inbegriff der Ahimsa und Genügsamkeit


Du sollst nicht schaden


Ahimsa ist ein Wort in Sanskrit und bedeutet Gewaltlosigkeit, Nichtverletzen, Nichtschaden. In den Veden, im Yoga Sutra, in der Bhagavad Gita und in den Lehren Buddhas nimmt sie einen wichtigen Platz ein. Als Norm unseres inneren und äußeren Lebens sagt sie uns, dass wir nicht schaden, verletzen oder töten dürfen. Jesus formulierte es praktisch: „Du sollst deinen Nächsten lieben wie dich selbst.“


Ahimsa muss in Gedanken, Worten und Taten praktiziert werden. Wir können andere mit Worten tiefer verletzen, als wenn wir sie mit der Hand geschlagen hätten. Hass, der im Herzen kocht, kann eine schlimmere Verletzung zufügen als eine verbale Beleidigung. Er verletzt übrigens den Hassenden ebenfalls. Das macht deutlich, dass Ahimsa im Zentrum einer gut funktionierenden Gesellschaft und jedes glücklichen menschlichen Lebens steht.


Ahimsa – eine Einstellung zur Welt


Ahimsa ist mehr als ein moralisches Gebot. Sie ist die innere Haltung, stets zu versuchen, niemandem Schmerzen zuzufügen oder zu schaden. In Yoga, in Hinduismus und in Buddhismus bezieht sich diese Haltung nicht nur auf andere Menschen, sondern auch auf Tiere und letztendlich auf alles Leben.


Die Haltung, anderen nicht zu schaden, ist uns angeboren. Sie ist ganz natürlich, wenn wir durch unsere Umgebung oder durch Systeme, in denen wir leben, nicht zu einem entgegengesetzten Verhalten erzogen werden.

Ahimsa ist eine Haltung der Liebe, des Respekts und des Mitgefühls, die man in seinen Gedanken und in seinem Herzen pflegt. Sie ist sehr mächtig. Sie kann die Welt verändern. Mahatma Gandhi hat bewiesen, dass sie sogar als politisches Instrument eine große Kraft entfalten kann. Wenn diese Haltung in einer Familie oder Community vorherrscht, wird diese Familie oder Gemeinde wirksam, erfolgreich und glücklich.


Ahimsa verändert gleichzeitig auch denjenigen, der sie praktiziert. Sie erweitert unser Herz, unser Denken, unseren Geist und bildet eine Grundlage für menschliches Wachstum. Menschen, die Ahimsa praktizieren, leben im Frieden mit sich selbst und mit anderen.


Genügsamkeit und Ahimsa


Genügsamkeit ist ein weiterer Eckstein, auf dem wir unser zukünftiges Leben aufbauen werden. Genügsamkeit ist ebenfalls eine Einstellung zur Welt. Sie veranlasst uns dazu, nur das zu nehmen und besitzen zu wollen, was wir wirklich brauchen. Sie wird es uns möglich machen, unsere zerstörerische Zivilisation in eine gewaltlose, nicht verletzende, nicht schadende zu verwandeln.


Genügsamkeit ist eine Haltung, nicht mehr zu nehmen, als man wirklich braucht. Sie verändert unser Leben: von einem hektischen, unbefriedigenden zu einem gelassenen und glücklichen.

Und Ahimsa führt zu Genügsamkeit. Wenn wir bemüht sind, jedes Leben nach Möglichkeit zu schonen, nicht zu verletzen, ändert sich unsere Lebensweise automatisch derart, dass wir möglichst wenig von den Ressourcen der Natur verbrauchen. Weil alles, was wir verbrauchen, Leben zerstört – es geht einfach nicht anders.


Jedes neue Smartphone, beispielsweise, besteht aus Stoffen, die der Natur entnommen wurden in einem Prozess, der Leben zerstört. Seine Produktion verschmutzte die Luft, das Wasser, den Boden. Beim Transport und Verkauf war es auch nicht anders. Bei seiner Nutzung werden Unmengen an Ressourcen verbraucht. (Wenn Sie jetzt nur an den Strom aus Ihrer Steckdose denken, denken Sie noch einmal nach. Die Infrastruktur des Internets und die Herstellung seiner Inhalte verbrauchen Unmengen an Ressourcen.) Zum Schluss wird Ihr Smartphone verbrannt oder landet im Boden.


Also auch wenn wir die Stromerzeugung ganz auf erneuerbare Quellen umstellen und die Industrie irgendwann dazu gezwungen wird, möglichst viele Stoffe und Teile wiederzuverwenden, wird jeder zusätzliche Verbrauch Leben zerstören. Das ist nicht zu vermeiden. Deswegen wird es ohne Genügsamkeit als Haltung der meisten Menschen nicht gehen.


Als Menschheit brauchen wir einen universalen moralischen Kodex. Ahimsa und Genügsamkeit werden in ihm mit Sicherheit enthalten sein.

Ahimsa als eine Einstellung zur Welt wird uns deswegen helfen, genügsamer zu werden. Diese Welt ist eine Familie. Eine Familie wird mit der Haltung der Gewaltlosigkeit, der Nichtverletzung, des Nichtschadens erfolgreicher.