Sackgasse unserer Zivilisation

Aktualisiert: Aug 22


Die Bilanz unserer westlichen Zivilisation ist negativ in beiderlei Hinsicht. Zum einen werden wir nicht glücklicher, was das eigentliche Motiv hinter den Vereinfachungen des Lebens und dem materiellen Reichtum, die wir seit 250 Jahren anstreben, ist. Zum anderen übersteigen die Kosten des Klimawandels, der Umweltvergiftung, der Gesundheitsbelastung den von uns erreichten materiellen Wohlstand.


Unterhaltung am Strand. Spaß ist nicht Glück – das vergessen wir leider all zu oft.


Der Preis unserer Zivilisation?


Wir beuten die Natur aus. Das ist auch denkbar einfach. Der Boden schreit nicht, wenn man ihn mit Pestiziden vergiftet. Die Bäume, die wir fällen, schreiben keine Petitionen und das Meer schickt uns keine Rechnung dafür, dass wir dort unseren Schmutz entsorgen. Die Natur kostet nichts. Wir machen das Geschäft unseres Lebens: Verblendet durch unsere Gier nehmen wir uns, was wir brauchen – kostenlos. Ist das nicht schlau?!


In Wirklichkeit hat alles, was wir konsumieren, einen Preis – auf der Rückseite, mit Geheimtinte geschrieben. Sichtbar wird er mit unseren Tränen gemacht. Es gibt ein simples Naturgesetz: Alles, was wir tun, wird ein Resultat haben, früher oder später. Nicht mal Gott kann es außer Kraft setzen. Er hat uns diesen kleinen Planeten zum Wohnen gegeben – wir haben uns als schlechte Mieter erwiesen.


Ein guter Haushälter zerstört sein Zuhause nicht. Der Mensch hat sich in dem Zuhause der Natur wie ein Einbrecher verhalten.

Wir haben einen gewaltigen Kreislauf aufgebaut, eine Megamaschinerie aus Industrie, Geldspekulation, industriell betriebener Landwirtschaft, Infrastruktur, Mobilität und Kommunikation. Wir dachten, wir tun es, damit sie uns dient. In Wirklichkeit haben wir uns mit der Rolle der winzigen Zahnräder in dieser Maschinerie abgefunden. Warum? Unsere Gier und das Streben nach Annehmlichkeiten haben aus uns Geldverdiener gemacht.


Gier


Das heutige zivilisatorische System ist am Kristallisationskern der Gier gewachsen. Weil nicht nur diejenigen, die das große Geld verdienen, gierig sind, sondern wir alle, war der Kristallisationsprozess so erfolgreich. Wir starren auf unser eigenes Portemonnaie, auf das, was wir uns leisten können, und machen uns blind dafür, dass wir dabei das große Kapital vermehren, die Umwelt zerstören oder irgendwo auf der Welt Kriege verursachen.


Letztendlich ist es unsere Gier, die unseren Planeten zerstört.

Unsere Gier macht das kapitalistische System so erfolgreich. Würde es uns etwas von dem wegnehmen, was wir besitzen, gingen wir morgen auf die Straßen. Weil es uns etwas gibt, was wir haben wollen, unterstützen wir es. Solange wir mehr wollen, mehr Geld, mehr Sachen, mehr Macht, wird dieses System seine Dynamik weiterentwickeln – bis sie uns zerstört.


Die Gier hat zwar ihren Ursprung im Animalischen, wurde aber im Menschen so stark ausgeprägt, weil er nach Glück strebt. Wenn wir etwas bekommen oder ein Ruf unserer Sinne befriedigt haben, fühlen wir uns für den Augenblick glücklich. Das Gefühl vergeht aber irgendwann und wir reagieren darauf unwillkürlich mit dem Wunsch nach mehr. Es ist ein Teufelskreis, weil auch eine Milliarde Euro uns nicht dauerhaft glücklich machen wird. Nach einem Fünf-Gänge-Menü werden wir früher oder später ein Zehn-Gänge-Menü essen wollen.